Laaange geschlafen. Gleich gestern Abend nach der Rückkehr und einem kurzen Abendbrot ins Bett gegangen und dann, mit zwei Pausen, bis um 04.00 durchgeschlafen. Also doch eine gute Entscheidung, so NICHT auf die Piste zu gehen ..

Kurz nach 05.00 h rolle ich dann doch endlich vom Hof, ausgeschlafen und mit ausreichend Kaffee für einen langen Tag präpariert, und fahre in einen klaren Morgen hinein. Bis Zeven ist noch erheblicher Berufsverkehr, dann, Richtung Autobahn, wird es erstaunlicher Weise ruhiger. Ich habe mir fest vorgenommen mit so 120 km/h nach Norden zu daddeln und mich nicht auf das gegenseitige Hochgeschaukel in Sachen Geschwindigkeit einzulassen. Das wird mir und meinen Nerven besser bekommen und meinem doch schon etwas betagtem Auto sicherlich auch.

Kaum auf der Autobahn, das übliche Bild: Rechts Lkw’s Zuhauf, in der Mitte natürlich auch, dem beliebten Elefantenrennen frönend. (Dazu darf ich nun nicht wirklich etwas sagen, sowas hab ich ganz früher auch mal gemacht …)Ganz Links die modernen Raubritter mit ihren Daimlers und BMW, den Blinker gesetzt und mit Lichthupe als Lanze unterwegs, hohe Geschwindigkeit wird hier als Wichtigkeit gewertet. Nach Rechts wechseln, und sei es auch nur kurz, tut ein solcher Ritter in Lack und Chrom nur, wenn von hinten ein noch schnelleres Alphamännchen kommt.

Und dabei passiert es dann, keine dreihundert Meter vor mir: ein solcher in die Mittelspur verschlagener Formel-I-Fahrer verschätzt sich und rammte einen „Langsamfahrer“ wie mich von hinten. Eine Wolke aus Qualm und Trümmern über Autobahn, ein Schatten, der nach Rechts ins Nirgendwo verschwindet, dann knallt und prasselt es, ich bekomme, wie andere Fahrzeuge den Regen der Splitter ab. Notbremsung, Schlag auf den Warbblinkknopf, ganz nach Rechts auf die Standspuhr ziehen. Stopp, ersten Gang einlegen und, nach hinten sichernd, auf einen Sprint gefasst sein wenn dort ein LKW auftauchen sollte. Tut er aber nicht, der steht 50 Meter hinter mir mit einem Stern in der Windschutzscheide: Treffer, wodurch auch immer. Also raus aus dem Auto, zwei qualmende Autowracks im Graben, Trümmer beseitigen und die Tür aufdrücken, Böses erwartend. Und dann so ein Wunder modernen Automobilbaues oder eines schützenden Hand. Ein dunkler Innenraum, überall aufgeblasene Airbags, aber ein nur benommener Raubritter. Sein Opfer hat mehr abbekommen, vor allem kommt er nicht aus seinem qualmenden Auto. Vier solide Handwerker auf dem Weg zur Baustelle haben Werkzeug und Kraft zur Hand, unter ihrem Nachdruck gibt schliesslich die Tür nach und wir bekommen den Mann aus seinem Auto und dem Strassengraben. Die Schulter ist hin, druckempfindlich und sich vor meinen Augen nach und nach dunkelblau einfärbend. In wird gleich der Krankenwagen mitnehmen, die Polizei sichert Autobahn, Situation und Zeugenaussagen. Dann darf ich, nachdem ich auch mein Auto auf Schäden untersucht habe, weiter nach Norden fahren.

Schön sutsche. Bloss kein Risiko. Elbtunnel ohne Stau, Hamburg Flughafen wirds dick, bleibt aber man so eben fliessend. Danach durch Schleswig-Holstein, für mich mit seinem weiten Himmel und dem grünen Land schon immer sowas wie der Vorgeschmack auf das Dänenland. Kielkanal, Hochbrücke, Wasser & Schiffe im ersten Sonnenlicht.

Die Grenze, auch sie mit besonderer Bedeutung. Ich kenne sie noch mit Warten und Ausweis vorzeigen, dann mit lässigem Durchwinken. Ich kam durch Zufall durch, als sie mit einem kleinen Festakt ganz freigegeben und ebenso durch Zufall, als die Kontrollhäuschen abgebaut wurden. Für mich ist das Verschwinden dieser Grenze immer ein Sinnbild für ein freies und vereintes Europa gewesen, dass ich an manch anderer Stelle mit seinen bürokratischen Auswüchsen sicherlich in Frage stellen darf. Aber hier hat es den Menschen etwas gebracht, ist es eine wirkliche Errungenschaft und ich freue mich jedesmal daran, wenn ich an den dort Heute angelegten Blumenbeeten vorbei fahren kann ohne anhalten zu müssen. Manchmal denke ich darüber nach, ob unsere Grosseltern sich so etwas wohl hätten vorstellen können …

Raststättenleben

Die erste Raststätte auf dänischer Seite ist die Meine. Das Übliche, Toilette suchen, dann Kaffee nachfüllen und einen Moment in der Sonne stehen, das Nomadenleben an einem solchen, interessanten Ort betrachten. Ein Lastwagen mit Strohballen (???), eine Familie mit kleinen Kindern („Mama, wann sind wir da?“) und die üblichen Bewohner der Autobahn in Form von leicht verkommen wirkenden Truckern geben sich ein kurzes und überaus flüchtiges Stelldichein. Jeder auf seinem eigenen Weg und mehr oder minder durch Zufall im Jetzt und Hier ist ein Teil dieses bunten Bildes.