Weiter geht es durch ein sonniges Dänemark, typisch eben. Nicht ganz warm, aber auch nicht kalt. Sonnig, dazwischen dicke, segelnde Wolkenschiffe. Wind dazu, reichlich und, weil es das Autofahren schöner macht, in Böen von der Seite.

Ansonsten ist das Fahren entspannt, weit entspannter als in Deutschland. 130 km Höchstgeschwindigkeit zeitigt einen gewissen Erfolg im Verkehrsfluss, die Sache lässt sich besser „handlen“. Muss ich auf die Überholspur, kann ich leicht beschleunigen und auch durchaus einem von hinten kommenden Wagen davorziehen, ohne eine Vollbremsung, Lichthupe oder, siehe Oben, einen Ramming zu riskieren. Dadurch fliesst der Verkehr gleichmässiger, das andauernde Beschleunigen und Bremsen entfällt und auch die manchmal gegebene Notwendigkeit, mit den Wölfen zu Rasen. Vielleicht ja auch eine Idee für Deutschland, man sollte darüber nachdenken.

Fürs Essen scheint gesorgt …

Ich ratter weiter nach Norden. Die Idee mit der Westküste hab ich irgendwo Unterwegs vergessen, fallen lassen, zu stark zieht mich Skiveren. Also fahre ich mit zwei Pausen weiter, hake die Rastplätze einen nach dem anderen ab und freu mich an den malerischen Namen. Wo in Deutschland findet sich schon ein solcher Platz mit dem wohltönenden Namen „fuglsang“, Vogelgesang oder „Himmerland“? Für mich ist die Kette dieser Namen eine Verheißung, eine Vorfreude auf das, was da kommen wird!

Aalborg, der Tunnel und dann: Dänemark. Auch so ein Überbleibsel aus Kindertagen, Dänemark fängt hinter Aalborg an, dann ist ein Ende der damals endlos erscheinenden Fahrt ohne Autobahnen (die gibts hier erst seit Mitte der 80’er Jahre) in Sicht, das Ziel rückt in greifbare Nähe.

Nördlich von Aalborg verlasse ich die Autobahn und fahre quer rüber an die Vestkyst, der versandete Leuchtturm von Rabjerg und die benachbarte Kirche sind mein Ziel. Dass Land ist grün, wir haben Vorsommer, in manchen Ecken scheint auch noch der Frühling am Werk. Viele Blumen, der Ginster blüht und überhaupt hat das Grün noch eine so frische Farbe. Meinen einsamen Leuchtturm in seiner Wanderdüne lasse ich stehen, zu viele Menschen erkenne ich auf der Riesensandkiste der Wanderdüne. Wir Zwei sehen uns in einigen Tagen, irgendwann früh am Morgen, wenn Raum und Ruhe dort herrschen, wo er an der Abbruchkante zu finden ist. Aber an die Marup Kirke fahre ich und mache dort Rast – vor fünf Jahren war ich hier, als das Dach heruntergenommen und das Interieur entfernt wurde. Jetzt hat man die Mauern abgetragen, jedenfalls im westlichen Bereich und die Abbruchkante ist bis auf 20 cm herangerückt an die kleine Kirche, die vor 800 Jahren fast drei Kilometer im Binnenland erbaut wurde. Im Herbst wird es vorbei sein, die See wird sie holen, der erste grosse Sturm mit seinen Wellen an der Steilküste wird das Ende sein.

Weiter geht es, Hirtshals taucht auf. Das ist ein besondrer Moment, jedesmal, wenn ich von der „Inselkante“ in Hirtshals in das weite Land Richtung Skagen hinunterfahre, überkommt mich das Gefühl, nach Hause zu kommen. Wie oft bin ich mit meinen Eltern umgezogen, später auch selber, wie oft hat sich das Leben in all den Jahren verändert? Skiveren war immer eine Konstante, ich war immer dort und, wenn es einmal nicht klappte, dann dachte ich an diesen Ort. Hier war ich mit Eltern und Brüdern, später mit meiner Freundin, meiner Frau, meinen Kindern. Wider mit einer Partnerin. Mit einem Sohn. Alleine. Aber immer war es ein „nach Hause kommen“, war und ist es der Ort, zu dem ich mich gehörig fühle. Hier atmet für mich alles Erinnerungen und zugleich Entspannung, es ist ein wundervoller Ort, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter! So seltsam das vielleicht klingen mag, aber hier bin ich verankert, geerdet, hier ist meine Heimat.

Ich fahre durch bis zum Strand, lassen den Platz Links liegen. Das Auto rollt über den Sand, ich steige aus und atme Weite … die Füsse im Wasser, den Wind im Gesicht und die Sonne auf der Nase. Ich grinse, glaube ich, ziemlich breit. Zu Hause!