Wochenende, man sitzt bei ein oder zwei Gläschen Rotwein beeinander. Ob der Bilder einer digitalen Kamera ( gibts noch andere? ) erhebt sich eine der üblichen, eher negativ geprägten Diskussionen. Ach ja, die Kinder sitzen ja so lange vor dem Bildschirm. Und dem Handy. Und überhaupt, die wissen garnicht, was Freundschaft ist. Weil, Freundschaft bei Facebook ( böse, böse ) ist ja nicht echt. Und Google. Und Bilder. Die kann man alle nachbearbeiten. Also auch nicht echt. Und Briefe schreiben. Keiner schreibt mehr Briefe. Nur noch wir. Wir, die letzte Bastion des Wahren, Guten, Schönen.

Mein vorsichtig vorgebrachter Einwand, dass soziale Netze eine Ergänzung meines normalen „real existenten Netzwerkes“ sein können: komisch. Der Hinweis, dass auch analoge Bilder schon immer ( in der Dunkelkammer ) nachbearbeitet wurden: ja, aber nicht SO. Der Einwand, das jeder im Internet in aller Konsequenz eigenverantwortlich sei für das, was er macht und tut: nicht wirklich akzeptierbar. Weil. Und überhaupt. Und geht garnicht.

Nun wäre so ein Gespräch sicherlich als eines unter vielen zu vernachlässigen, hätten mich dasselbe Thema nicht in einem Kreis netter Freunde ganze zwei Abende später nocheinmal erwischt. Wider eine Kneipe, wider ein Kreis von eher älteren Jüngeren. Dieselben Argumente. Dieselben Fronten. Und wider fällt auf, das die so Argumentierenden sich in diesen Bereichen des Netzes eher selten bewegen.

Nun kann ich ganz gut gut damit leben, wenn jeder sein eigen Ding macht. Das tue ich auch gerne und erwarte, dass Andere das akzeptieren. Was ich wirklich nicht so echt verstehen kann ist das Beharren auf einer Negativmeinung, die durch wenig oder keinerlei eigene Erfahrung fundiert ist. „Der Onkel meiner Tante hat einen Freund und der hat von einem gehört, das Facebook was ganz Schlimmes ist. Da gibts auch ´ne Untersuchung drüber … so´ne wissenschaftliche.“ Ah ja. Dnnerwetter. Das nenn ich doch mal eine Aussage.

Heute Morgen dann in meinem Lieblingskäseblättchen „The European“ passend ein Artikel dazu. Whow. Wie die Faust aufs digitale Auge. Oder aufs analoge, wer weiß das schon so genau. Und lesenwert, sogar überaus lesenswert.

Deutscher Blick auf Netz und Technologien – The European.

Und: ja, ich habe auch noch eine analoge Kamera. Und nutze sie, neben meinem digitalen Fototeil, mit Schwarzweissfilmen; weiß noch jemand, was das ist? Telefonieren tue ich auch, ganz stinknormal, ok,  Briefe schreibe ich eher selten. Aber ich nutze Mails, beruflich & privat, Chats sowieso, Hangouts und Websites. Stelle Bilder online und halte über zwei soziale Netzwerke Kontakt zu Leuten, die ich meistens persönlich kenne und zu denen ich ansonsten da draußen in der weiten, alles verstreuenden Welt der Arbeit kaum noch Draht hätte. Ich verabrede mich über „Whats App“ und treffe die Leute dann in Natura in der Pinte. Ich fotografiere mein Essen und schicks an einen Freund, weil er auch gerne da wäre. Kurzum, ich nutze die Möglichkeiten und suche mir das Beste aus Alt und Neu heraus. Dabei schreibe ich niemandem etwas vor, will aber auch nicht, dass mein Lebensstil von anderen als Verfall der „guten, alten Sitten“ gesehen wird. Er ist anders als früher. Artenreicher. Deutlich eigenverantwortlicher. Aber keinesfalls schlechter!