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Einstellungsgespräche für eine Lehrstelle im kommenden Sommer. Die Ausschreibung mit entsprechendem Echo, der Andrang erwartungsgemäß groß. Im Vorfeld ausgefiltert, abgewogen, beurteilt, übriggeblieben sind die sechs aussichtsreichsten Kandidaten, die Jüngsten sind 15.

Nun die Gespräche, jeder hat 20 Minuten, alles oder Nichts, die Stunde der Entscheidung. Die einmalige Chance, so scheint es. Gegenüber den Kandidaten: vier ihnen unbekannte, mehr oder weniger freundlich-interessiert blickende, lächelnde Menschen. Die, die Urteilen sollen über Auftreten und Voraussetzungen, über das Gespräch und das kurze Miteinander. Die am Ende eine Entscheidung fällen sollen, von der für den Einzelnen so viel und, so scheint es, alles abhängt.

Die Gespräche. Eine freundliche Einführung. Nervosität, Angst, Unsicherheit. Zitternde Stimme oder gespielt selbstsicheres Auftreten. Von guter Vorbereitung mit Hilfe von Eltern und Internet bis zu blassblauer Ahnungslosigkeit, was da möglicherweise an Aufgabe auf einen zukommen könnte. Viel Ungefähres, „Ähm´s“ und „Oh´s“. Hände, die die ganze Zeit geknetet werden. Und Hoffnung, viel Hoffnung. Man sieht es an den Blicken.

„Wir danken ihnen …“. „Wenn es was geworden sein sollte melden wir uns zeitnah …“. Das große Warten beginnt, das Hoffen, das Überlegen, was an dem geführten Gespräch wohl gut oder schlecht gewesen ist. Was wie bei den Entscheidern angekommen sein mag. Was sie denken. Überlegen. Letztlich entscheiden.

Im Raum bleiben die vier Leute sitzen und schauen sich an. Auch sie irgendwie ratlos. Die Daten der Bewerber haben sie vor sich, säuberlich sortiert, Zeugnisse, Beurteilungen, Praktikanachweise. Die Bewerber haben sie gesehen, gehört. Und trotzdem: Ratlosigkeit.

Die Zensuren: wer hätte nicht mal ein schlechtes Jahr in der Schule gehabt, besonders nach dem Wechsel an eine weiterführende Einrichtung mit all den Veränderungen? Wie wägt man am Gymnasium geleistete Jahre ab gegen die Desjenigen, der sich über die Hauptschule weiter- und hochgekämpft hat? Was sagt eine „eins“ in Religion über einen Bewerber aus und was eine „vier“ in Politik?

Der Auftritt: wie soll eine 15, 16 oder 17jährige einen perfekten Auftritt bei einer Bewerbung hinbekommen wenn ihr das niemand gezeigt hat? Wie soll man das Verhalten von Mitbewerberinnen mit völlig anderem Hintergrund und Erleben gegeneinander werten? Was muss diese eine im Vergleich mehr können müssen und – viel wichtiger – was eben nicht?

Eine Entscheidung muss her, dass ist klar. Die Ratlosigkeit ist mit Händen zu greifen. Jeder soll ein Statement abgeben. Jetzt machen sich unter den vier Entscheidern ganz leise Bedenken und Unsicherheit breit. Urteile ich nach dem Augenschein? Lasse ich mich durch Äußerlichkeiten beeinflussen? Habe ich alle Perspektiven durchgegangen, bewerte ich wirklich nach Fakten? Kann ich das überhaupt? Und: tun wir Diesem und Jener wirklich einen Gefallen mit einer solchen Stelle? Wie soll jemand in dem Alter eigentlich wissen können, ob die von ihm angestrebte Arbeit sein gewünschter Traumjob sein kann? Auf was für Erfahrungen sollen er oder sie bei ihrer Wahl, ihrem Wunsch zurückgreifen?

Letztlich dann ein Ranking, es muss sein, ist aber irgendwie kein gutes Gefühl. In ein paar Tagen geht es weiter, nocheinmal eine Handvoll Bewerber. Danach wird es ernst, am Ende des nächsten Tages muss eine endgültige Festlegung sein.

Ich glaube, darüber denke ich dann nach.