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Meine heißgeliebte Küche – das ist so ein Thema für sich. Ambivalent. Wer mich kennt, weiß das. Wer mal drin war über die letzten zwei Jahre weiß es sogar noch besser. Oha.

Doch von Anfang an. Auf Grund meiner von Außen vorgegebenen Unterbringungs- und Lebensverhältnisse bin ich – neben anderen, manchmal vielleicht nicht ganz so positiven Dingen – mit einer recht großen Wohnküche gesegnet. Ein reichlich dimensionierter Esstisch mit Stühlen passt dort ebenso hinein wie eine Vier-Meter-Arbeitsplatte mit Becken, Herd und dem üblichen technischen Schnickschnack, dazu ein 50ger-Jahre-Küchenbuffet sowie eine komplette Heizungsanlage, die man platzsparend an der Wand montiert hat. Darüber reichlich Altbauluftraum und ein Riesenfenster zum Hof. Für die Lüftung und so. Fürstlich vom Raum her sozusagen, wohltemperiert durch besagte Heizung und für lange Zeit, leider, rappelvoll.

Wie man einen so großen Raum so voll bekommt? Gar kein Problem. „Mit Links“. Sozusagen. Das hat sich so ergeben. Über die Zeit. Und das Sammeln von Küchengerätschaften. Dem Abstellen von Überflüssigem, eben dort. Einem langanhaltenden seelischen Durchhänger. Und Anderem.

Ich habe immer gerne gekocht. Eigentlich seit meiner ersten eigenen Wohnung, als ich plötzlich – irgendwie unerwartet – „Besitzer“ einer eigenen Küche wurde. Na ja, flächenmässig betrachtet eher eines Wandschranks in dem man Kochen konnte. Und irgendwie hatte ich dann auch plötzlich die Lust dazu und habe mich recht schnell und ambitioniert durch die tränenreichen Niederungen der angebrannten Kochbasics geschmurgelt, aufwärts durch manch selbsterzeugte Rauchwolke in Richtung gute und gebrauchsfähige Küche. Irgendwann dann auch garniert und gekrönt mit diesem oder jenem kulinarischen Highlight.

Für Freunde kochen hat mir von Anfang an Spaß gemacht, ich mag das Miteinander und das Drumherum. Den sozialen Faktor. Das wurde später mit Familie weniger, aber die Küche blieb irgendwie mein Revier. Mal mehr, mal weniger. Noch später, mit meinen Söhnen alleine, wechselte ich stilistisch zu – ernährungswissenschaftlich sicherlich fragwürdigen, aber sattmachenden – selbstgemachten quadratmetergroßen Pizzen & asiatischen Schnellbrat-ein-Topf-Menüs. Fix gemachte Sachen wurden halt alltagsbedingter Standard, möglicht jedoch frisch gekocht. Wenn es ging. Das war nicht immer der Fall, leider. Als die Beiden irgendwann ihrer eigenen Wege zogen wurde es endgültig ruhig in der Küche … wer kocht schon gerne für eine Person?

Einmal im Jahr taute die Sache dann immer nochmal auf. Für die großen Sommerfreizeiten mit 40 und mehr Jugendlichen kochte ich mit einer Freundin gemeinsam, unterwegs irgendwo in Europa, auf Hockerkochern, dem Grill, mit Gas & fliegenden Leitungen. In Zelt, Großküche oder auch schon mal am Feuer direkt. „Back to the roots“ halt. Mengen. So ein Rudel will Input. 100 Burger oder zehn Liter Griesspudding gehen da flugs über den Tisch, über das Geschrei nach Nachschub wollen wir mal lieber Schweigen. Das braucht neben Spass an der Sache das entsprechende Gerät. Marke „Gross“. Und genau das Material aus diesen Kochsessions verstopfte nach und nach meine Küche.

Geräte aus Edelstahl, von hier und dort mitgebracht. Das dritte Sieb, der fünfte Kartoffelschäler. Darfs auch eine Gemüsereibe mehr sein? Vielleicht noch ein paar von diesen praktischen Schraubdeckelgläsern? Dazu Riesentöpfe, es könnten ja mal Freunde kommen … eine zweite Küchenmaschine, man weiß ja nie. Dazwischen Zeltlampen und Besteck, Grillzangen und noch´n Messersortiment. Eine Werkzeugkiste für die Brenner. Anschlussadapter für Gasbuddeln vom Nordkap bis Italien. Ein Holzgreifer fürs Lagerfeuer. Mittendrin ein Plätzchen für meinen Kühlschrank, für das Brett zum Brötchenschmieren, denn diese machten inzwischen den Großteil meiner Ernährung aus. Und für die Kaffeemaschine. Ganz wichtig, das Teil. Überlebenswichtig. Kulinarische und seelische Finsternis – alleine schon beim Blick in diesen Raum – machten sich langsam immer breiter.

Bis, eines Tages in diesem Spätsommer … ja, was eigentlich? Mich die Sache so ankotzte, dass ich was unternahm? Mich der derbe Spruch einer Freundin wachrüttelte? Ich eine Brötchenallergie bekam? So genau weiß ich es nicht, aber ich beschloss verhältnismäßig überraschend (für mich und Andere) das das alles anders werden solle. Schnellstens. Am besten sofort. Ein wenig dauerte es dann schon noch, der Anlauf war nicht so einfach. Aber dann. Mit Hilfe und vereinten Kräften. Zwei Säcke Müll und vier Umzugskartons überzähliges Küchenequipment später sah die Lage schon besser aus. Drei Eimer Farbe, eine gründliche Umorganisation und das Stellen meines heißgeliebten Küchenbuffets aus Mutters Erstausstattungsbeständen sorgte für Neuausrichtung. Innerer und Äusserer. Aus dem Chaosraum wurde eine – nun ja, zugegebener Weise recht rustikale – Wohnküche „in Entwicklung“.

Klar, es fehlen noch die Bilder an den Wänden, die ich da haben will. Das gewünschte Regal für die Teller steht noch irgendwo auf dem Flohmarkt, wir suchen einander noch, eine Frage der Zeit. Der Gasherd harrt – ärgerlicher Weise und aus technischen Gründen – noch immer des Anschlusses, schon mehrere Monate. Er wird die Krönung, ich freue mich auf Geräusch und Geruch. Von der Nützlichkeit in einer guten Küche mal ganz abgesehen. Das Licht ist mit einer Mischung aus kleinen Lampen und Kerzen schon jetzt schön geworden, gemütlich. Der Raum ist hell und warm, in den Schränken ist Platz und das notwendige Gerät ist wohlassortiert, aber eben in vernünftigen Mengen und guter Qualität vorhanden. Was bisher herausgekommen ist, ist keine sterile Einbauküche von der Stange. Sie ist bunt, es steht viel offen herum, sie ist chaotisch genial unübersichtlich mit Tendenzen zu einem echten Wohn- und Lebensraum. „In Entwicklung“ eben. So, wie ich es mag. Möchte. Kurzum, es wird.

Und mit dem Raum und dem Licht in der Küche ist – wer hätte das gedacht – auch die Lust am Kochen widergekommen. An den guten Zutaten, dem Planen eines Essens, dem Kochen selber, der Vorfreude auf einen solchen Abend, auf das Ergebnis. Es tut sich wider was im Küchenland. Nein, für eine Person Kochen ist immer noch öde, aber hier und da kommen halt Leute und dann macht es Spaß. Ich lade ein. Spontan. Das Meiste ist ja immer im Haus, der fehlende Rest schnell zu beschaffen. Und dann sitzen wir in der Küche, Freunde und Familie, schnacken über Dies & Das, trinken Wein, Wasser, was auch immer, ich koche dabei. Alleine oder mit Mehreren. Geschichten, Lachen, Miteinander sein. Gegessen wird gleich neben dem Herd, am Tisch, keinen Meter Luftlinie trennt Beide. Heißer geht es nicht. Sozial verträglicher auch nicht. Spaß macht das.

Und ich glaube, daran will ich mich gewöhnen …