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Silvester ist vorbei. Ich erwache am ersten Morgen des neuen Jahres mit heftigen Kopfschmerzen und blicke entsprechend missmutig in einen ruhigen Morgen mit sogar ein wenig Sonne. Nein, ich habe weder einer wilden Party noch des exzessiven Suffs gefrönt, Silvester war mit Familie eher friedlich, sehr schön, ein wenig müde und altersangepasst.

Was mich beutelt ist die – nach den letzten Tagen schon fast erwartete – Migräne, auch sie will zeigen, dass es sie im ach so neuen und ach so schönen Jahr 2014 noch gibt. Wie so vieles, was mit dem Jahreswechsel keineswegs spurlos in der Versenkung verschwunden ist, sondern – früher oder später – fröhlich Urständ feiern wird.

Die letzten Tage waren voller Jahresrückblicke. Manche, meist eher flachgestrickte, Fernsehsender fangen damit ja schon Mitte Dezember an. Mithin will ich das Thema auch nicht ungebührlich auswalzen. Ich pflege am Neujahrstag einfach meinen Kalender des letzten Jahres einmal „durchzublättern“ und zu schauen, was für mich persönlich wichtig war. Und da sind sie dann, die manchmal schon fast vergessenen, die andererseits tief eingegrabenen Vorkommnisse. Schauen wir also einmal …

Eine sehr gute Freundin starb viel zu jung, ohne dass wir uns noch einmal gesehen oder gesprochen hätten. Mir kommen die Tränen, wenn ich nur daran denke. Irgendetwas zwischen uns ging schrecklich schief, sonst wäre das so nicht gekommen. Wir werden, wenn wir uns eines Tages widersehen, darüber miteinander sprechen und sie wird es mir ganz sicher erklären.

Beziehungen zu guten und manchmal geliebten Menschen änderten sich, das brachte nicht immer nur Freude und brauchte manchmal einen langen Weg des Verstehens, der Einsicht und der Zeit, um es akzeptieren zu können. Es ist schön und ein Zeichen besonderer Zuneigung, das der Kontakt dabei nicht abgerissen ist.

Ein wundervolles, kleines Mädchen erblickte gesund das Licht der Welt, schob mich lächelnd und kurzerhand eine Generation weiter in das Dasein als Großvater und bringt seither mit ihrer Anwesenheit mein Leben zum Leuchten.

Wir sind – wie jedes Jahr – mit vielen jungen Leuten auf Reisen nach Norden gegangen und hatten an einem See in Schweden, wie ein so unglaublich guter Freund es auszudrücken pflegt, „eine gute Zeit“. Oha, ja, die hatten wir.

Irgendwann im Spätsommer habe ich diesen Blog angefangen. Nicht jeder wird davon begeistert sein, mir macht es bisher Freude. Und ich versuche, den Balanceakt hinzubekommen: nicht zuviel, nicht zu wenig, interessant, ohne zu privat zu werden. Noch lerne ich. Mal schauen, wie weit ich damit komme …

Ich durfte einige Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten und – auch wenn das Manchem befremdlich vorkommen mag – es waren gute Wege voller Freude & Lachen, Trauer & Schmerz. Ich danke diesen Menschen und ihren Familien dafür, dass sie mir in diesem einmaligen und letzten Lebensabschnitt ihr Vertrauen geschenkt, mich an ihren Gedanken, Vorstellungen und Ängsten haben teilhaben lassen.

Ein besonderes Erlebnis im letzten Jahr war sicherlich ein Tag im Sommer, ein Treffen im Garten einer guten Freundin. „Komm mal vorbei, wir wollen Kaffee trinken“, so die Einladung. Dort angekommen war ich keineswegs alleine, es traf sich eine Gruppe von Leuten, die einander bisher „nur“ aus einem sozialen Network kannten. Es war ein wunderschöner Nachmittag, voller Sympathie und Gesprächen und er zeigte mir deutlich, dass ein von mir präferiertes, „halbdigitales Leben“ die großen Vorteile hat, die ich darin sehe – bei aller gebotener Vorsicht und allen Unkenrufen vom Untergang des Abendlandes sowie „ordentlicher“ zwischenmenschlicher Beziehung zum Trotz.

Einen Abend vor Jahresende gestaltete sich das Leben – ohne jede Vorwarnung – dramatisch. Eine Situation, bei der es unter Zeitdruck um das Leben oder Nichtleben eines Menschen ging warf hinterher große und schwierige Fragen nach gefällten Entscheidungen auf. Die – für mich eigentlich als geklärt geltende Frage – nach dem „was-tue-ich-und-was-lasse-ich“ scheint nun wieder offen und muss wohl neu durchdacht werden. Dazu werde ich mir Hilfe suchen. Wir werden sehen.

Kurzum, es sind so viele Dinge, die in diesem Jahr geschehen sind. Ich bin mir sicher, dass ich nur die „Herausragensten“ und Neuesten erwischt habe, der Rest versinkt im Dunkel des Vergessens. Schade eigentlich. Und unverdient.

Und so habe ich mir etwas vorgenommen. Ich werde jeden Tag des kommenden Jahres einen kleinen Zettel mit dem besten Erlebnis des Tages versehen. Das können Kleinigkeiten wie die Tasse Kaffee am Morgen sein oder große Events voller Freude. Erlaubt sind pro Tag ein Erlebnis, eine Begegnung, ein Wort, ein Satz, ein Bild. Mehr nicht. Ganz kurz, ganz prägnant. Der kommt in ein grosses Glas, dami er nicht „verschütt“ geht. Und ich das Gute wachsen sehen kann. Die Notiz soll so sein, dass mir die Geschichte dazu beim Anschauen am Jahresende sofort wieder einfällt. Das dauert täglich nur Sekunden und wird – so ich es konsequent durchhalte – einen wundervollen Jahresüberblick ergeben.

Denn ich vergesse zu schnell, dass da auch immer Dinge sind, die das Leben so unglaublich lebenswert machen. Freunde. Familie. Reisen. Nähe. Tausenderlei gute, lebens- und liebenswerte Erlebnisse, voller Licht, voller Hoffnung. Denn das mit dem Vergessen ist ein ernstes Problem (und, möglicherweise, nicht nur meines, sondern auch das vieler anderer Menschen), es erzeugt einen negativen Rückblick, der oft zu dunkel, zu depressiv ist. Es bleibt zu wenig Dank für Gutes.

Das ist mein guter Vorsatz, mein Projekt für 2014. Machbar, weil es weder auf Schokolade verzichtet noch eine Gewichtsgrenze vorgibt. Mich nicht einschränkt, unmögliches fordert, den Aufwand ersteinmal überschaubar hält, das Ergebnis von vornherein „auf positiv getrimmt“ scheint.

Schauen wir also mal, was hierbei herauskommt … ich bin gespannt!