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Irgendwie ist es so gar nicht die richtige Jahreszeit. Aber ich habe den Nachmittag genutzt um Bilder zu sortieren und dabei bin ich hängen geblieben, an meiner „Heimstatt“. Nun ist es nicht so, dass ich – als leider nur allzu normaler Mensch – keine Wohnung in einem richtigen Haus hätte, beileibe nicht. Und deutlich zu groß ist sie für mich einsame Figur dazu auch noch. Aber: nicht nur, dass mein wirkliches und gefühltes „Zuhause“ an einem ganz anderen Ort ist, nein, auch meine liebste Wohnung ist eigentlich ein Zelt.

Derer nenne ich mehrere mein Eigen und bin ganz zufrieden damit. Angefangen von der „Ein-Mann-Hundehütte“ die, gewichts- und raummässig zum Fahrrad oder Boot passt, folgt dann eine etwas größere „Zweimannhütte“. Diese lässt sich – man gerade noch so – im Kanu mitnehmen oder eben im Auto und ist – Luxus, Luxus – auch durchaus gut alleine bewohnbar. Kochen geht in der Apsis, keine 3-Sterne-Menues, aber für das überlebensnotwendige Kaffeewasser oder mal eine Dose Ravioli (BÖRKS!) reicht es durchaus.

Als Letztes dann mein heißgeliebter „Palazzo Leinwand“: satte zwei Meter Bodenradius mit solider Mittelstange, im unteren Bereich Steilwand und aus stabilem Leinwandstoff gefertigt hat er in der Mitte sogar Stehhöhe und bietet mit dem eingearbeiteten Boden allen nur erdenklichen Luxus! Über das Gewicht brauchen wir nicht sprechen, ebensowenig über die Masse des Transportsackes. Und da meine Bemühungen einen eigenen Träger dafür anzuheuern gescheitert sind, bleibt da eben nur das Auto. Als imperialer Alleinbewohner genieße ich dann allerdings den Platz für eine dicke Luftmatte im Kingsizeformat von raumgreifenden 1,40 x 2,00 Metern, man wird halt älter und lernt so etwas für den Rücken und die Privatsphäre zu schätzen. Dazu dann meine Klamottenkiste, Gaslaterne und Platz für diversen Krempel, den man unterwegs eigentlich nicht brauchen würde, der das Leben aber durchaus verschönt. Mein letztjähriger Versuch einen alten Perserteppich für die gepflegte Innenausstattung mitzuschleppen wurde allerdings von einem neidischen Freund wegen angeblicher Ladungsprobleme abgelehnt, kleinlich, der Banause. Aber auch so ist das die Spitze des Zeltlebens, da gibt’s nichts dran zu rütteln.

Im Gegensatz zur Vorstellung vieler Nichtzelter ist die Hütte trotz wundervoller Lüftung durch den Stoff völlig dicht, auch bei längeren Regengüssen, man muss sich eben zu verhalten wissen und nicht – wie manche Campbewohnerin es nur zu gerne tut – mit irgendwelchen Duftstoffen herumräuchern. Immerhin fahren dieses Zelt und ich seit Jahren zusammen in den Norden und so muss ich es wissen.

Leben im Zelt ist wunderbar. Es ist an und in der Natur und trotzdem geschützt. Liegt man darin und am Morgen geht die Sonne auf, wird es wunderschön. Man hört alles, das Licht ist gedämpft, das ist Entspannung pur. Nie vergessen werde ich die Tage in Schweden, als ich, liegend im Zelt hören konnte, wie der Wind über das Land zog: die Böen waren schon von weitem in den Büschen und Bäumen zu hören, dann wackelte sanft mein Zelt und Draußen rauschten die Büsche. Die Bö zog weiter und wanderte über das Land, ich konnte verfolgen, wie sie sich entfernte und dann irgendwann verschwand. Danach war einen Moment Ruhe und die Sache begann von Vorne … so etwas hätte ich in Haus oder Wohnwagen nie mitbekommen! Und so gibt es viele Erlebnisse, die ich mit meinem Zelt oder dem Leben im Zelt verknüpfe …

Eigentlich stehe ich im Moment auf Winter, so Richtigen, mit Schnee und ordentlich Frost. Schaue ich aber in das matschige Regenwetter Draußen und dann auf meine Bilder, hätte ich wohl doch gerne Sommer. Nicht zu warm, ein paar Bäume an einer Seekannte, ein Boot dürfte durchaus auch sein. Daneben natürlich ein Zelt und, wenn´s keine Mühe macht, das Ganze bitte in Skandinavien.

Ach ja, und wenn wir schon dabei sind: bitte mit Perserteppich!