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Verdammt! Die Zeit wird knapp, ich gerate schon wieder unter Druck! Der Krempel hätte schon vor Tagen fertig sein sollen, aber es kam soviel dazwischen. Nachtschicht also, morgen Früh muss das Angebot beim potentiellen Kunden sein, nützt nix. Kaffee kochen, Lampe an, ab geht die Post, in einer halben Stunde ist der Drops gelutscht.

Ah, schau an, eine Mail. Aus Schweden. Nett. Neues aus Bullerbüland, kurz lesen, da kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Hat ´ne Paddeltour gemacht, der Herr Kollege, Klasse eigentlich. Wohnt da an seinem See, macht Dauerurlaub, schlaues Kerlchen, verdient hat er das eigentlich nicht. Schnell mal nachschauen, die Bilder, oha. Schön … ein wenig träumen. Stände mir eigentlich auch ganz gut zu Gesicht. Warte mal, hab ich nicht letztes Jahr fast genauso eine Aufnahme gemacht? Flugs ins Programm geschaut, nicht gefunden, länger gesucht. Irgendwann, mittendrin in den Urlaubserinnerungen, der Blick auf die Uhr: 23.00 h. Rrraaaaaahhhh …

Nun aber. Sechs Sätze zu Papier, dann überlegen, ob das Angebot finanziell so durchzustehen ist. Hm, hm, ich weiß nicht so Recht. Die Kollegin im Wilden Osten fragen, vom selben Fach und einst auf einem Lehrgang kennengelernt, sie hat eigentlich immer ganz gute Vorstellungen von dem was da so geht. Um die Uhrzeit müsste ich sie bei Facebook finden, no problem, schauen wir da doch mal eben rein und fragen sie unauffällig. Natürlich ist sie nicht da, schläft wohl schon, die faule Socke. Aber es gibt ein paar nervige Katzenbilder zu sehen und ein weiterer Freund, neuerdings die Zierde einer Systemgastronomenschule und ebenfalls im Osten, hat einiges an interessantem Unsinn gepostet. Das schreit nach Kommentierung und ein paar bösartigen Bildern, hatte ich da nicht neulich irgendwo was Passendes gesehen? Ein bisschen Suchen, dann hab ich´s, er antwortet sofort und so entspannt sich ein lockerer Chat über Gott & die Welt. Bis – ja, bis der Blick auf die Uhr fällt. OHGOTTOHGOTTOHWEH, fast zwei Uhr. Den Chat flugs abgewürgt mit dem Hinweis, man sei schließlich kein Student und könne am Morgen nicht bis in die Puppen schlafen. Neuen Kaffee gekocht, Marke „Herztod“ und mit plötzlich sehr kleinen Augen zurück an den Rechner getorkelt.

Natürlich hat sich das Angebot inzwischen nicht von alleine weiterentwickelt und erscheint auf dem Schirm so, wie vor zwei Stunden verlassen. Verflixt. Also die Zahlen nochmal selber durchrechnen, der Tischrechner rattert durch die Nacht. Müdes abwägen, wo die Grenze zwischen einem ordentlichem Gewinn und einem höhnischem Lachen des Kunden liegt, alleine und ohne Hilfe, versteht sich. Dazwischen immer mal wieder Kaffee und zweimal Balkon, den Kopf in die kühle Nachtluft halten. Musik an, auch das hält wach, fördert aber nicht gerade die Konzentration.

Zu den Inhalten muss ich nochmal eben etwas nachschlagen und suche mir eine entsprechende Site. Wohooo … watt´n schickes Mädel vorne drauf, da schaut man doch gerne hin. Und ´ne Geschichte dazu, irgendwie zu Herzen gehend, lesen wir doch mal kurz ein paar Zeilen an …

Ok, jetzt ist es halb vier am Morgen. Blöde Seite. Und was ich suchte hab ich auch nicht gefunden! Küche, noch mehr Kaffee geht nicht, also Cola, nicht zu knapp. Zurück zum Schreibtisch mit dem Schwur eiserner Disziplin. Sehr gerade hingesetzt, in die Mitte zwischen die beiden leicht verschwommenen Monitore geschaut und in die Tasten gehauen …

Meine Nase schmerzt. Ein sanftes Flimmern fällt durch meine geschlossenen Lieder. Und irgendwas Kantiges drückt mir in die Wange und auf das Auge. Kalt ist mir auch. Es piepst mit einem impertinenten Ton in mein Ohr. Langsam und vorsichtig öffne ich mein linkes Auge, Rechts geht nicht. Habe eine Tastatur im Großformat vor mir. Aufrichten, bloß nicht zu plötzlich, mit einem schmatzenden Geräusch löst sich meine Wange von der Tastatur. Der Schmerz im Nacken ist unerträglich und lässt mich leise wimmern. Übertroffen wird das üble Gefühl nur noch durch eine dumpf nach Kaffee schmeckende Übelkeit in meinem völlig übersäuerten Magen. Der Blick fokussiert ein paarmal hin und her, wird dann scharf. 06.30 h. Ah ja. Ich wanke ins Bad, halte den Kopf unter die Dusche. Kaffee und restlicher Mageninhalt gehen den Weg allen Irdischen. Küche, zwei Thomapyrin in Cola, alleine der Anblick macht mich krank, der Geschmack bringt mich um.

Schreibtisch. Mist. Was nun? Ersteinmal lösche ich 86 Seiten mit „Ø“s, weiss der Geier, wo die herkommen mögen. Dann überlegen, trotz hämmernder Kopfschmerzen. Das Angebot von letztem Jahr, das könnte klappen, wo war das doch gleich? Gefunden. Undifferenzierte 10% auf alles aufschlagen, Datum ändern, Adresse auch. Ausdrucken, Flyer mit rein, eintüten, zukleben. Na also, geht doch. Nochmal aufreißen, weil: war das der richtige Flyer? War es, also neu vertüten, Adresse drauf und ab zum Briefkasten. Ich bin fix und alle, eine spiegelnde Scheibe lügt mir unterwegs frech ins zerfurchte Gesicht.

Auf dem Rückweg treff ich einen Kollegen, locker auf dem Weg zur Arbeit. „Na“, fragt er, „du siehst müde aus. Noch lange gemacht?“

„Ich ???“ Empört schaue ich ihn an. „Ich bin doch nicht DU! Ich stehe auf strukturiertes Arbeiten und bereite meine Sachen immer frühzeitig vor … solltest du eigentlich wissen! Hab einfach nur schlecht geschlafen! Und überhaupt und so, kümmer dich um deinen Mist, machst ja schliesslich genug davon!“

Derartig gemaßregelt lasse ich diesen ignoranten Flegel stehen. Frechheit. So unstrukturiert wie der arbeitet, wird da nie was von …