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Es gibt so Tage, die sollen einfach nicht sein. Die passen nicht. Sie fangen schon gedämpft an, warum auch immer. Entwickeln sich über einen Grauton am späten Vormittag zu „gloomy“ am Nachmittag und enden letztlich in einem seelischen Tief oder einem Wutanfall. Oder Beidem. Man müsste sie in Kladde leben können und später, nach der Korrektur, in Schönschrift. Das wäre die Rettung. Oder sie komplett streichen können. Oder in die Tonne treten. Nichts von dem geht, leider.

Heute war so ein Tag. Irgendwie schon leicht angegraut entwickelte er sich rasant bergab. Mittags eine Panne, Dinge fehlten und ließen sich nur schwer beschaffen. Viel Aufwand, letztlich kamen wir alle gemeinsam gerade noch so aus der Kurve heraus ohne im „Off“ zu landen, sinnbildlich gesprochen. Das Grinsen hinterher: zwar etwas mühsam, aber es ging, jedenfalls nach einer Weile. Unter Freunden ist das so. Passt schon. Geht auch wieder. Toll, sowas. Also: das mit den Freunden. Nicht mit der Kurve.

Dann der Nachmittag. Besprechung mit vielen Leuten und vielen heißen und heißgeredeten Themen. Es geht hin und her, viele reden, reden gleichzeitig. Als Mann bin ich in der Aufnahmefähigkeit beschränkt, rede mich damit auch gerne mal heraus. Auf eine Sache fokussiert halt, zuviel Input überlastet das System, Lärm dazu sorgt fast umgehend für Kopfschmerzen und ein reichlich zerfasertes Nervenkostüm. Die Ressourcen in dieser Richtung sind momentan eh stark begrenzt, da brauchts´ nur wenig und es geht auch recht schnell, ich weiß das.

Was macht man, wenn man eine Aufgabe und einen Teil der damit befassten Menschen wirklich liebt und sie schätzt, aber das Procedere und das Drumherum im Laufe der Zeit begonnen haben, einem so bodenlos auf den Senkel zu gehen? Wenn man erlebt, wie Manches von Manchen so völlig ruiniert wird? Wertschätzung fehlt? Absprachen nicht eingehalten werden? Ahnt, dass das so weitergehen, schlimmer werden wird? Weiß, dass man etwas ändern muss und weiß, dass einem die Änderung sofort leidtun wird? Wegen der Menschen, mit denen man zu tun hat. Jedenfalls einem Teil davon. Keineswegs allen. Das Denken tut weh. Das Abwägen schmerzt. Strengt an. Der Kopf rächt sich, bohrender Schmerz über dem Auge, weiße Punkte im Sehfeld.

Der Nachmittag endet böse. Ich rede mich an einem Thema heiß, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, das nicht zu tun. Ich möchte ruhig bleiben, bedacht reagieren, vielleicht als „weiser alter Mann“ aus dem Ring steigen. ( Nicht Lachen, dahinten, ja ?! ) Mithin, es gelingt mir nicht: zu groß die Mischung aus Enttäuschung und Ärger, Ignoranz und Nachrede. Gerade noch bekomme ich die Kurve, die zweite an diesem Tag, wenn auch eine ganz andere und schwieriger ists auch. Später ärgere ich mich dann gründlich über mich selber: so war das nicht gedacht. Zu spät. Und nun ist es soweit, der Tag ist endgültig im Eimer. Ist einer von denen, die man streichen sollte. Und so. Siehe Oben.

Alleine. Ruhe. Keinen mehr sehen. Nichts hören. Luft holen. Tief. Noch viel tiefer. Dann lächeln, aua, das tut erst mal weh, geht gar nicht. Dann das „Tief“, grau wird’s im Kopf. Kein gutes Gefühl, aus vielerlei Gründen. Überlegen, dann zum Kaufmann laufen und eine Tafel Schokolade erwerben, die gute, grosse, mit Mandeln und Rosinen, dänisch. Nein, nicht gut für die eh schon ausgeleierte Figur und eigentlich auf der ernährungstechnischen „Blacklist“, aber aus Erfahrung das Einzige, was im Moment hilft. Seelenfutter. Besondere Situationen bedürfen eben besonderer Lösungen. Klingel aus, Handy ebenso. Den Lieblingsplatz, das Buch, die Schokolade, Musik wäre schon zu viel. Und dann ganz leise und in Gedanken verschwinden, kauender Weise, zwischen den Seiten des Buches und in den Weiten einer phantasievollen, entspannenden Geschichte ….

Life is a bitch. Manchmal. Manchmal ist es aber auch ganz schön schön. Morgen ist ein neuer Tag. Ein anderer. Etwas geht zu Ende, Anderes wird kommen. Mal wieder. Das Neue wird schön sein, jedenfalls an manchen Stellen, keine Frage. Und ich, ich werde es mitnehmen.

Auch keine Frage!