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Es war an der Zeit.

Die letzten Wochen waren eine bunten Mischung aus anstrengend, wunderschön und „nicht immer wirklich schön“ gewesen. Ab einem gewissen Zeitpunkt forderten sie alle Kräfte, alle Gedanken, alles, was man jemals über das „Mensch-für-Mensch-sein“ verinnerlicht, sich angeeignet, sich bereitgelegt hatte. Eine harte, sehr traurige, aber zugleich auch eine auf seltsame Art gute Erfahrung. Ein Zeichen auf einem eingeschlagenen Weg, das zugleich alle Reserven auffraß.

Dieses Gefühl der Leere, die plötzliche Sehnsucht nach kontemplativem Sitzen auf meiner nordischen Lieblingsdüne sowie mir dafür entgegengebrachtes Verständnis ließen mich an einem Sonntag noch Spätabends die wenigen, notwendigen Sachen hinten in mein Auto werfen und in die Nacht starten. 600 dunkle, aber schnelle Kilometer später rollte ich mit dem Sonnenaufgang an einen menschenleeren Strand, ließ Auto und dann Schuhe stehen und stand mit den Füßen in den flachen Wellen eines herbstlich kühlen Meeres. Was für ein Gefühl. Ich war zu Hause.

Vier ganze Tage hatte ich. Das Wetter hatte ein Einsehen, es war und blieb einfach nur schön und – relativ – warm. Die Nächte bewiesen gegen Morgen herbstlichen Biss und Feuchte, Zelt und Schlafsack bewehrten mich dagegen. Das morgendliche Zischen des Gasbrenners unter der Espressokanne, der leise Duft des frischen Kaffees, dazu der Sonnenaufgang über dem fast menschenleeren, stillen Land: unbezahlbar.

Vier Tage Zeit also zum Herumlaufen, zum Schauen, zum Fotografieren, für die alten Stellen und Wege, zum alleine sein. Zum Denken. Zum „Überdenken“. Zum „Erden“. Viel Platz und Raum, viel Weite für den Blick und die Gedanken. Daneben die Nähe: die Familie, vier Generationen. Immer da, immer greifbar, immer schön. Jeder für sich, aber alle in Reichweite, immer mal zusammen, immer mal alleine. Füreinander da, Stärke und Freiheit zugleich, Vertrauen und Distanz.

Es war eine gute Zeit. Der Weg zurück nach solchen Tagen ist nie so gut, so voll guter Erwartung wie der Weg dorthin, das kenne ich von den ungezählten Fahrten an diesen für mich so wunderschönen Ort. Aber auch da hat sich wohl etwas für mich verändert, jedenfalls habe ich das deutliche Gefühl: ich weiß nun ganz sicher, dass ich das wieder machen werde. Einfach so. Dann, wenn es notwendig wird, an der Zeit ist. Und das erlaubt mir voller Freude auf die erlebten Tage zurück zu blicken und erwartungsvoll auf die Dinge, die jetzt vor mir liegen.

Das ist doch was.