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Irgendwann vor Wochen. Ein Blick aus dem Fenster hatte mich belehrt, dass der Sommer endgültig auf dem Weg in den sonnigen Süden sei und ein weiterer Blick in den Kalender ließ Böses ahnen. Drei Monate bis Weihnachten, Herbst und – so er den kommen würde – der Winter standen vor der Tür.

Am Abend schrieb ich darob einen galligen Kommentar in einem sozialen Netzwerk und erzählte von Leuchttabletten des Typs „BoraBora“, die in der dunklen Jahreszeit Licht in Herz & Seele bringen sollten. Nebenher fragte ich an, ob nicht jemand Räucherstäbchen mit Kamin- oder Feuergeruch kenne. Besitz und Betrieb eines solch wärmenden Kaminofens ist mir leider aus vielerlei Gründen in meiner Dienstwohnung verwehrt, aber ich bin ein grosser Liebhaber dieser schönen Wärme und des damit verbundenen Feuer- und Holzgeruchs. Erwartungsgemäß hagelte es mancherlei vorzugsweise dummer Vorschläge, wie soetwas zu bewerkstelligen sei, einschließlich einer Version, die das Niederbrennen meines aus Holz bestehenden Balkons vorsah. Räucherstäbchen – sonst von mir als Relikt der späten Jugendzeit Ende der 70ér Jahre und als Stinkekram abgelehnt – mit einem solch speziellen Geruch kannte Niemand, ich hatte es geahnt und die ganze Sache auch halb als Scherz genommen.

Bis dann Heute – Wochen später und schon fast aus dem Sinn – ein kleiner Umschlag von einer lieben Freundin aus Hamburg angegondelt kam. Eine kurze Nachricht gestern Abend ließ mich wissen, ich möge auf die eingehende Post achten, damit sie nicht irgendwo in der Weite des Hauses versinke. Was da käme sei speziell für mich gedacht und bedürfe eines vorsichtigen Umgangs. Ich war interessiert erstaunt worum es gehen mochte, eine Ahnung hatte ich nicht. Als ich dann den Umschlag heute Morgen in der Hand hatte und öffnete, fielen mir ein Päckchen Räucherstäbchen mit der Geruchsrichtung „Campfire“ und eine lieb geschriebene Karte entgegen. Über Beides Habe ich mich natürlich spontan sehr gefreut, mag sein, das die Karte und der Text sogar das etwas schönere Präsent waren!

Am Nachmittag dann ein Test. Räucherstäbchen in meiner Wohnung, eine Premiere, das gab es seit 40 Jahren nicht mehr. Und was soll ich erzählen? Ein sanfter Geruch von Holzfeuer breitete sich aus, einschließlich des ungewohnten Kitzelns in der Nase durch den ungewohnten Rauch. Kein Kamin, viel besser: ich schloss die Augen, hörte das Knacken des Feuers. Spürte den sanften Wind zwischen den Bäumen, hörte das Rascheln der Blätter. Leises Plätschern vom Seeufer, ein helles Summen der Sch…mücken auf der Suche nach meiner Hauptschlagader. Roch Kaffee, spührte Weite. War irgendwo im Norden, am Feuer, am Wasser, mit Freunden, Kopfkino vom Allerfeinsten …

Was hast du mir da Tolles geschenkt! Nun kann der Winter kommen. Wenn es dann mal wieder zu schlimm wird, mache ich mir eines der wertvollen Stäbchen an und gehe auf Reisen …

Hab Dank, Candy, you made my winter!