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Das Ende ist unspektakulär … ich möchte nach der Trauerfeier zurück an den Ort, der für mich immer „zu Hause“ bedeutet hat, seitdem ich als Kind das erste Mal dort war und wo ich eigentlich – wäre ich vernünftig und mutig gewesen – mein Leben hätte verbringen sollen. Dort, zwischen den Dünen und dem Meer, an der Ausfahrt zum Strand und dann Links fast bis zu den kleinen Seen soll es gehen. Verstreut meine Asche dort bei Sonnenuntergang und einem rauen Weststurm in die Brandung, zwischen der ersten Sandbank und dem Strand, an der Grenze zwischen Land & Meer.

Ihr werdet mich dort immer finden. In jedem Rauschen des Meeres, in jedem Rascheln des Strandhafers in den Dünen, im Prasseln des Sandes auf eurer Haut. In den klaren Mondnächten des Mittsommers genauso wie in den eisigen Winternächten im treibenden Schnee. Der Schrei der Möven wird meine Nachricht an euch sein, die warmen Strahlen der Sonne in eurem Gesicht meine Liebkosung, das Seewasser auf eurer Haut meine Umarmung.

Dort warte ich auf euch, bis wir uns widersehen. Und – oh ja – wir werden uns widersehen, ganz sicher. Ich bin euch nur ein kleines Stück vorausgegangen und warte auf euch, knapp unter dem Horizont, jenseits des Lichts, irgendwo dort, wo die Sonne sinkt.

Wenn ihr eines – hoffentlich sehr fernen – Tages auch kommt, dann werde ich da sein. Habt dann keine Angst, streckt vertrauensvoll eure Hand aus und spürt, wie ich sie nehme. Glaubt mir, ich bin immer da.

Bei euch, in euch und mit euch!

(Der obige Text enstand im Zuge einer Hausaufgabe für die angehenden Ehrenamtlichen eines ambulanten Hospizdienstes. Ihre Aufgabe ist es zu überlegen, wie wohl ihre eigene Trauerfeier und Beisetzung aussehen soll. An dieser Übung beteiligen sich alle, auch der Ausbilder.)