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Was habe ich in dieser Welt zu erledigen?

Acht für sich einfache Worte. Zusammen bilden sie eine Frage von fast ungeheuerlicher Dimension und Tragweite.

Darüber sind Abhandlungen und Bücher geschrieben worden. Wurden Predigten gehalten. Wurde in Diskussionen gestritten. Sind Bibliotheken gefüllt worden. Weise ( und auch nicht so Weise ) Worte wurden zusammengetragen. Große Denker und kleine Lichter haben einen guten Teil ihres Lebens mit der Analyse darüber verbracht. Papyrie, Tontafeln, Pergamente wurden damit gefüllt. Papier, Disketten, die Cloud. Abhandlungen, Bücher, Ratgeber geschrieben, ihre Anzahl ist schier unüberschaubar.

Die Antwort wird ein Jeder selber finden müssen. Beantworten auch. Einen anderen Weg gibt es nicht. Irgendwann habe ich das auch angehen müssen. Und irgendwie Betrifft diese Suche und das Finden alle Menschen. Immer mal wieder.

Heute gehe ich gehe davon aus, dass ich gerade dort stehe, wo ich stehen soll. Vorrübergehend jedenfalls. Ich weiß natürlich nicht, was danach kommen wird. Und wann. Ich weiß nur, dass etwas kommen wird.

Meine Aufgabe war sicherlich irgendwann, meine Kinder großzuziehen und sie auf den Weg in das Leben zu bringen. Ihnen Liebe und Fürsorge angedeihen zu lassen und mitzuhelfen, dass sie zu den Menschen wurden, die sie heute sind. Frei und unabhängig im Denken, ausgestattet mit einem gesunden, aber nicht übertrieben Selbstbewusstsein. Mit Stärke. Mut. Dabei habe ich Fehler gemacht und an vielen Stellen versagt, zweifellos. Und trotzdem Glück gehabt. Anderen im Bekanntenkreis war diese Gnade nicht gegeben. Schmerz, Trauer und gebrochene Lebenswege waren die Folge. Das ist uns erspart geblieben. Manchmal haarscharf. Dann und Wann blicke ich zurück, stehe ich still davor und bin unendlich dankbar dafür. Diese Aufgabe ist beendet und ich habe Neues gefunden.

Gefunden in der Für- und Seelsorge als Mensch am Menschen in den letzten Tagen des Lebens. Dann, wenn die Angst groß und die Kraft klein wird. Zusammen mit Anderen, die denselben Dienst erfüllen. Mit all dem Reden, dem Lächeln, dem Trauern und dem Dasein, die dies auch dem Begleiter bringt. Den Unterricht neuer Mitarbeiter und das Erleben, wie sie in diesen Dienst hineinwachsen erfüllt mein Leben mit dem Sinn, den ich an anderer Stelle so oft vermisse. Das eigene Wachsen an diesem Thema macht mein Leben reich und lebenswert. Ich glaube, dass ich dankbar sein muss und nicht klagen kann, ich weiß, was ich in diesem Moment meines Lebens in der Welt zu erledigen habe.

Aufgaben, auch Lebensaufgaben, unterliegen einem stetigen Wandel. Ergänzen sich. Wachsen. Werden wieder kleiner. Ein Leben lang. Und so wird es weitergehen. Es kommt immer Neues, es bleibt nie dieselbe, eine Aufgabe, es gibt für uns in der Welt mehr zu erledigen als wir Zeit haben werden. Es wechselt, dann und wann, über die Jahre. Es sind meistens nicht die großen Dinge, die uns angetragen werden. Es sind die kleinen Schritte, die getan werden müssen. Aber sie verändern die Welt, Stück für Stück. Durch die Dinge, die wir in unseren Lebensaufgaben tagtäglich tun und erledigen.

Ich weiß von einer Freundin, die diese Frage seit einiger Zeit intensiv in ihren Gedanken bewegt. Die ruhige und entspannte Suche nach der für sie anstehenden Lebensaufgabe gestaltet sich jedoch – in einem gerade schwierigen Lebensumfeld – als fast unmöglich. Daran verzweifelt sie manchmal. Eigentlich ist sie ist gesegnet mit einem scharfen und analytischen Blick für Probleme. Ausgestattet mit einer breiten Palette an fachlich qualifizierten Arbeitsgrundlagen im menschlichen und psychologischen Bereich. Trotzdem will es ihr nicht gelingen, das Neue für sich auszumachen. Dabei gibt es das große Thema und ist für den Außenstehenden auch deutlich zu sehen. Wäre sie nicht so eingespannt, würde auch sie das als naheliegend wahrnehmen.

Die Suche, das Finden und – vor allem – die Akzeptanz einer neuen Aufgabe – einer neuen Lebensaufgabe – braucht vor allem Eines: Zeit. Dann Ruhe. Dann den Platz für die Gedanken. Um sie schweifen lassen zu können, um von außen auf das eigene Leben zu schauen. Fernab von Hektik, klingelnden Telefonen, dem täglichen Getriebe. Und ohne selbstgemachten Druck. Von wegen Ungeduld und so.

Für Jeden gibt es solche Aufgaben. Ohne Frage. Und immer wieder. Sei es die Hand , die wir halten. Mut, den wir spenden. Das tröstende Wort. Die fünf Euro für einen Bettler. Die Zeit für ein wirkliches Gespräch. Das Brot für den Hausierer. Das Trösten eines Kindes. Die Toleranz gegenüber Andersdenkenden und -lebenden. Und …

Und. Und. Und. Eine nie endende Liste. Und für Jeden Etwas dabei.

Für Jeden nach seinen Fähigkeiten.

Für Jeden zu seiner Zeit.