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Sonntag Nachmittag. Vierter Advent, Vorweihnachtszeit. In den Familien herrscht eitel Sonnenschein, vorweihnachtliche Ruhe und Frieden sind eingezogen. Muttern werkelt in der Küche, der letzte Keks will auch noch gebacken sein, Mitte der Woche ist schließlich Weihnachten. Die Kinderlein basteln an irgendwelchen selbstgestrickten Geschenken, Vater ist im Keller und sucht den Ständer für den Christbaum. Später versammelt man sich um den Adventskranz, trinkt Kaffee, süsslich klingt „Jingle Bells“ aus dem Player herüber. Man hat Zeit, ist ganz in Familie, genießt den Frieden und das Miteinander.

Sonntag Nachmittag. Vierter Advent, Vorweihnachtszeit. Menschen drängen sich gehetzt durch Kaufhäuser und Geschäfte. Ein Vater brüllt entnervt irgendetwas in sein Handy, ein plärrendes Kind an der Hand. Mutter wühlt derweil in einem Grabbeltisch, die Tochter ist irgendwohin verschwunden. Unterwegs gibt es eine Curry auf die Faust, vielleicht ein Fischbrötchen, dabei wird mit sorgenvoller Miene die noch abzuarbeitende Geschenkeliste beäugt. Vater will endlich ein Bier, Mutter hat vibrierende Nerven, die Tochter ist endgültig abgehauen. Über allem das Geplärre von „Jingle Bells“ und die Ansagen neuester Angebote. Der Irrsinn greift um sich.

Beide Szenarien haben ihre igene Perspektive und ihr eigenes Grauen. Weihnachten hat Heute für die Menschen so vielerlei Bedeutung, ist oftmals weit entfernt von seinem Ursprung. Für die Einen ist es die Geburt Jesu, die Ankunft des Herrn. Für andere eine Tradition, die zwar irgendwie schon damit zu hat, aber irgendwie auch nicht mehr. War das nicht da, wo Jesus nach Jerusalem zog und dem Weihnachtmann Geschenke brachte ? Hmmm …  Die Nächsten sehen diese Zeit als das große Familienfest, den Moment, an dem alle zusammenrücken, sich wieder einmal treffen und sehen, es gutes Essen und einen bunten Baum gibt. Geschenke auch, klar, die sind wichtig, was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Wieder für Andere ist es eine Mischform aus allem, von Jedem ein wenig, geliebt oder gehasst.

Aber vor allem und für viele ist Weihnachten Druck geworden. Druck, alles so schön und so volkstümlich zu gestalten, wie uns das Werbung und bunte Blättchen vormachen. Druck, zu konsumieren, schöner, besser, teurer als letztes Jahr und vor allem, als der Nachbar. Untere einem Tablett oder einem neuen Handy läuft da Nichts, und bitte, nicht das billigste und nicht noname! Ein Event jagt das Nächste, wir müssen alles mitnehmen, Weihnachtsmarkt, Punschbude, Bäume zum Selberhacken, wir könnten etwas verpassen. Und dann der immense und vielleicht schlimmste Druck – für einen Tag, einen Abend eine heile Familie darstellen zu müssen oder zu wollen, obwohl da an vielen Stellen schon lange nichts mehr heil ist. Der zwanghafte Wunsch, es einmal – mit aller Gewalt – „schön haben“ zu wollen, koste es, was es wolle. Und es kostet unglaublich viel. Wer das nicht glauben mag, der frage mal die Beratungstellen, die Polizisten und Feuerwehrleute, spreche mit den Mitarbeitern von Frauenhäusern und Notfallambulanzen, mit den Leuten der Telefonseelsorge. Sie werden dann von einer ganz speziellen, einer ganz anderen Weihnachtszeit berichten.

Weihnachten schwankt heute zwischen „Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.“ und „Geöffnet bis 15.00 Uhr, auch am Heilig Abend!“. Die Entscheidung, was wir daraus machen, liegt bei uns, da beisst uns keine Maus den Faden ab. Wir sind tatsächlich selbst verantwortlich, in aller Konsequenz. Wir können bis zum letzten Moment unserem Wahn und dem Schein hinterher hecheln und wir können uns dem Anspruch und dem Diktat von Werbung und Konsum unterwerfen. Aber niemand zwingt uns. Es ist keine Ausrede. Wenn wir das tun, ist es unsere Entscheidung.

Denn wenn wir wollen haben wir Zeit. Für uns.  Für Freunde und Familie, für Ruhe und Besinnung, für Miteinander und Füreinander. Für ein gutes Wort, vielleicht, weil es in der Luft liegt, für echtes Verzeihen und Vergeben. Für ein Gespräch, ein In-den-Arm-nehmen, für gemeinsames Schweigen, was so unglaublich wichtig ist. Für Weihnachten im besten Sinne, was immer jeder Einzelne darunter auch verstehen mag.

Seid mutig. Macht es einfach.

Frohe Weihnachten!