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Zwischen den Jahren. So nennt man die Zeit nach Weihnachten und vor dem Jahreswechsel.

Das letzte Geschenk ist gefleddert, die Gans Geschichte. Tote Tage, es ist nicht wirklich was los. Wartend auf Neues hängt man herum. Das Wetter ist grau und nichtssagend, die Zeit verrinnt zähflüssig oder fließt bergauf. Man fasst mühsam denkend irgendwelche gut anmutenden Vorsätze, wohl wissend, dass diese den Abend des herannahenden Neujahrstags kaum erleben werden. Macht sich, weil man Zeit dazu hat, leise Sorgen um die die Hüfte polsternde Weihnachtsplauze. Gammelt lesend und schlafend vor sich hin, sofern nicht Arbeit oder die bisher stets verseibelte Steuererklärung rufen. Eine seltsame Stimmung liegt über allem. „Gloomy Sunday“, sozusagen, auf eine ganze Woche verteilt.

Das vergangene Jahr liegt weitgehend hinter uns, durch heftige Benutzung stark verschlissen, die einst so glänzende Oberfläche bös zerschrabbelt. Der Lack ist ab, Dellen überall, an vielen Stellen sieht man auf Flickwerk, aus den viel zu dünnen Polstern stehen die Federn. Viel Zerbrochenes, mühsam geschient, mit emotionalem Klebeband dick umwickelt. Der ganze Unterbau, der Rahmen, durch heftige Belastung wackelig geworden, die Radlager eiern ausgeschlagen vor sich hin. Die Achse quietscht erbärmlich bei ihrer täglichen Umdrehung. Man schaut auf die kaum noch erkennbare Wegführung, sie sieht so ganz anders aus, als zu Jahresbeginn geplant. Bei manchem gradliniger als gedacht, bei anderem mit vielen Umwegen und Falschabbiegern gespickt oder mit grundsätzlich falscher Richtungsangabe versehen. Gutes und Helles dazwischen, Gründe für Dankbarkeit, aber auch Dunkles und Düsteres. Hier und da tropfen aus Ereignissen Tränen und melancholische Erinnerung. Wie ein grauer Nebel liegen verpasste Chancen über solchen Stellen. Und manche Wege enden einfach mittendrin im Nichts, sie oder wir sind ihnen verloren gegangen, abhanden gekommen …

Eigentlich erscheint es Unsinn, die Zeit gerade hier zu teilen, an dieser willkürlich gewählten Schnittstelle zwischen Sylvester und Neujahr. Vielleicht wäre es besser und viel einfacher, die Jahre bei Licht und Wärme zu trennen, möglicherweise an einem warmen Sommerabend im Sonnenlicht auf einer schönen Blumenwiese. Andererseits, würde das wirklich etwas ändern, etwas bringen? Denn, seien wir ehrlich, nichts ändert sich wirklich durch das Heraufziehen eines neuen Jahres, das, genauso schnell wie sein Vorgänger und sein Nachfolger, seinen Glanz im täglichen Gebrauch verschleißen wird. Die Jahreszahl wechselt, ok, aber alles andere aber läuft weiter wie bisher, auch, wenn wir es so gerne anders hätten und es doch auch mal anders könnte und überhaupt.
Also teilen wir das Jahr doch hier und jetzt und in diesen Tagen. Im frühen Halbdunkel, bei Regen. Schauen zurück, weil zurückschauen dazugehört und man das macht, so haben wir das gelernt. Und blicken dann doch lieber nicht so genau dahin, weil wir den Schmerz über das, was wir sehen könnten, doch nicht ertragen wollen. Nicht noch einmal. Trinken und Essen uns also den Jahreswechsel schön, schauen auf die gute, unverbrauchte neue Zeit. Das neue Jahr, unverschrammt und glänzend im Lack.

Und fragen uns leise und nur für uns, wer wohl und wie im kommenden Jahr beim nächsten Wechsel noch mit uns von der Partie sein wird.

Zwischen den Jahren. So nennt man die Zeit nach Weihnachten und vor dem Jahreswechsel.