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„Und hinterm Horizont geht´s weiter …“ ein Hit, vor vielen Jahren, ich hab ihn immer noch im Ohr. Hinter, oder besser nach, Silvester geht es auch weiter. Sofort für Jene, die dann schon wieder gerade gucken können. Für die Anderen ein wenig zeitversetzt. Ein paar Stunden noch, dann ist es soweit. Dann ist auch dieses Jahr zu Ende. Wieder mal.

Und – gefühlt – wieder mal schneller als das Letzte. Nun ja. Der Blick geht nochmal zurück. Was lassen wir alles hinter uns. Was wollen wir lassen? Nein, das mit dem „Wir“ ist nicht Richtig und das können andere auch besser als ich. Die mit dem „offiziellen Blick“. Also nochmal: was lasse ICH zurück? Im Guten wie im Schlechten? Was möchte ich zurücklassen? Na denn …

Viel Hoffnung. Viel Trauer. Es gab sie reichlich. Viel Enttäuschung, bei mir und bei anderen. Dänemark im Januar. Kalt und wunderschön. Ein warmes Haus, Gespräche und Bücher, gemeinsam mit den Eltern. Einen Kirchturm voller Taubenscheisse. (Sorry, anders kann man es nicht beschreiben!) Eine wundervolle Geburtstagsparty, mein erster Sohn wurde 30. Einen Autounfall, der beinahe richtig schief gegangen wäre. Ein Sommerfest bei einer Freundin, gemeinsam mit Flüchtlingen aus drei Generationen und voll  soviel warmen Verstehens. Schweden, mein Bruder, on the road, Paddeln, Lagerfeuer, Ruhe. Nachts nach Regen an einem Ufer stehen und in einen goldenen Himmel schauen. Den ernsthaften Versuch, in einem See zu ersaufen. Es war nicht witzig. Glück gehabt. Ein Mittsommerfest mit roten Häusern, buntem Baum und guten Freunden. Das werde ich nie vergessen. Den Moment, wenn einem gesagt wird, das da was ist in deinem Kopf, was da nicht hingehört. Die Angst danach. Die Erleichterung wenn es fort ist, Monate und Hände voller Tabletten später. Norwegen. Eine einsame Nacht auf einer Halbinsel, unter mir die Felsen, darüber die Sterne und der Mond. Was für ein Erlebnis. Unbezahlbar. Eine Reise mit 50 Jugendlichen. Soviel Potential und Zukunft und Chaos. Einer der schönsten Plätze der Welt. Blaubeeren. Felsen. Seen. Nochmal Dänemark, voller Wünsche und echter Hoffnung. Dünenbär & Seewolf. Die Lesungen einer Freundin auf dem Weg zu verdientem Erfolg, das Mitzittern, die Freude darüber. Ein „authentisches Leben“ und seine Folgen. Viele Gespräche um Leben und Tod und Trauer, über den Küchentisch, ich am Herd, die Rotweinflasche auf dem Tisch. Viel Fotografieren, viel aussortieren, langsam wird es. Die Meisterprüfung einer Freundin, erfolgreich. Stolz. Eine wunderbare Hochzeit von lieben Menschen. Der Tod eines alten Freundes, seine Zeit war gekommen, und trotzdem. Geburts- und Todestage. Letztere werden mehr, das macht das Alter. Fortbildungen. Begleitungen. Kopfschmerzen, ohne Ende. Wohnungsbesichtigungen und Häuserhoffnungen. Geplatzt. Die jährliche Tortenschlacht und die mentale Übelkeit danach. Eine Perspektive und eine Beziehung. Ein Traum, auch geplatzt. So nicht gewollt. Viel Musik. Konzerte. Streit, für mich, für Andere. Wunderbare Geschichten. Eine Andacht für verstorbene Kinder, soviel Trauer, soviel Trost. Soviel Sinn. Neue Freunde, mit derselben Aufgabe, derselben Blickrichtung. Vieles mehr.

Vor ein paar Tagen habe ich in einem Gespräch zu jemandem gesagt, dieses Jahr könne zu Ende gehen und, ich hoffte auf ein besseres, kommendes. Aber, jetzt so beim Lesen – stimmt das eigentlich wirklich? Oder ist es nicht so, dass wir immer mit einem weinenden und einem lächelnden Auge zurückblicken müssen? Gab es nicht auch Schönes, verdammt viel Schönes? Und ging nicht Manches auch mit einem „blauen Auge“ ab, hätte schlimmer, viel schlimmer kommen können? Ich weiß es nicht, ahne es aber. Da ist auch Grund für viel Dankbarkeit, an das Sein, aber auch ganz konkret an viele Menschen …

Ich fühle mich erschöpft vom letzten Jahr, ausgelaugt. Schlapp. Weniger körperlich, mehr mental. Das Problem mit dem Sinn in vielem Erlebtem lässt mich zaudern. Vielleicht ist es aber auch das, was mein Freund vor ein paar Tagen in einem Kommentar schrieb: „Ich weiß einfach nicht, wo die Zeit geblieben ist“. Das ist ein Gefühl, dass mir auch immer öfter kommt. Entweder, die Zeit läuft wirklich schneller wenn man langsam älter wird oder aber, ich fange an, nicht mehr so recht hinterherzukommen. Was letztlich dasselbe ist.

Schauen wir also, was das neue Jahr bringen mag. Nicht zu optimistisch. Aber Erwartungsvoll!

_DSC4774TvB29. Januar 2015

The road goes ever on and on,
down from the door where it began,
now far ahead the road has gone
and I must follow if I can
persueing it with weary feet
until it joins some longer way
where many paths and errands meet
and wither than I cannot say.

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich müden Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

(Bilbo)