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Auf der Reise durch den Morgen, den dampfenden Kaffee in der einen Hand, die Faust am Lenkrad. Beides gleich wichtig, der Kaffee vielleicht sogar ein wenig mehr. Ein etwas schlappes Brötchen lümmelt sich auf der Ablage und harrt, mit durch die Fahrzeugbewegung zitterndem Papier, seiner Vernichtung. Es ist noch reichlich dunkel Draußen, es dämmert gerade erst. Und es ist reichlich früh, aber ich brauche die Vorlaufzeit. Dafür habe ich leere Strassen und nachher hoffentlich keinen Stress. Denn den kann ich nicht brauchen Heute.

Wieder beginnt ein Kurs für ehrenamtliche Begleiter, wieder in einem anderen Hospizdienst. Zehn Leute haben sich gefunden, die die Mitarbeiter in der bereits bestehende Gruppe unterstützen und ergänzen wollen. Sie sind bereit, dafür ihre freien Samstage und zusätzlich, am Ende des Lehrgangs, ein ganzes Wochenende zu opfern. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, wo die Arbeitslast in vielen Berufen stark ansteigt und die freie Zeit immer wertvoller erscheint.

Sie haben sich keine leichte Aufgabe gewählt, ohne Frage. Und sie sind sich dessen auch sehr bewusst, das wurde in den vorbereitenden Gesprächen und manchem nachträglich leise fragenden Anruf deutlich. Krankheit und Tod bedeutet auch immer Schmerz und Trauer. Alleine es mitzuertragen, bei Trauerfällen in unserem Umfeld, fällt uns schwer. Wir weichen dem nur zu gerne aus, wissend, das es letztlich kein Ausweichen gibt. Sind wir selber betroffen, wird es schier unerträglich. Diese Leute, denen ich gleich gegenübersitzen werde, haben sich entschieden, genau dann zu Menschen zu gehen, wenn diese Situation eintritt. Bewusst Teil zu haben am seelischen Leid des Gegenüber, sei er nun Schwerkranker und Sterbender oder Angehöriger eines Betroffenen. Da zu sein und gemeinsam zu Schweigen, nichts ist schwieriger. Zu Hören, und, wenn es ihm den möglich erscheint, ein wenig Trost zu spenden. Durch Nähe. Durch Anwesenheit. Durch das Gespräch und durch Zuhören. Letzteres ist ein seltener Schatz geworden in unserer Welt. Was sie machen, lernen wollen, ist Seelsorge in Reinkultur. Der Dienst eines Menschen an seinem Gegenüber. Ohne jedes Drumherum. Pur. Ich weiß, sie werden es können. Respekt.

Schauen wir also, dass sie am Ende gut vorbereitet in ihre Begleitungen gehen: überzeugt von dem, was sie tun und wie sie es tun. Überzeugt von sich und ihrer selbstgewählten Aufgabe, ihrem Standpunkt, ihrer Toleranz. Und überzeugt davon, dass sie dem begleiteten Mensch auf seinem letzten Weg wirklich eine Hilfe sind, ihm etwas Gutes sind.

Ich denke, das bekommen wir gemeinsam hin!

Von Angesicht zu Angesicht

die Sprünge in der Schüssel
die Gräben in den Beziehungen
das Scheitern
und die immer wiederkehrenden Fragen

schließlich
werden wir aufgehoben sein
gehalten und geschätzt
werden sie endlich sein

und ich
werde
endlich
friedvoll

wissenvergessenerkannt sein

(Annegret Zander)