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Sieben Jahre. Oh Gott.

Früher Morgen, das übliche Ritual. Wasser aufsetzen, Dusche, Kaffee machen, Pott in die Hand, leise Musik an. Ich sitze vor dem Rechner. Kalender ansehen, was heute so ansteht. Der Eintrag. Unvorbereitet. Dein Name. Das kleine Kreuz. Dahinter das Jahr: 2010.

Ich starre auf den Schirm. Regungslos. Den Kaffee in der Hand. Mir wird kalt. Ganz plötzlich bin ich sieben Jahre in der Zeit zurück. Es war auch so einem Morgen, vielleicht ein wenig später. Der Anruf meines Freundes, sein Gesicht, als wir uns sahen. Eine düstere Vorahnung. Dieses sprachlose, kreischende Entsetzen, als er sprach. Das Klirren im Kopf, der eiskalte Tritt in die Magengrube. Die dröhnende Stille. Die Kraft, aufrecht stehen zu bleiben. Nur Stehen. Nicht Denken.

Tot. Auf der Stelle. Du. Ein Autounfall. Glätte, Schnee, ein anderes Fahrzeug. Keine überhöhte Geschwindigkeit, kein Alkohol. Einfach nur zur falschen Zeit an der falschen Stelle.

Es gab nichts zu sagen. Sprachlos überstanden wir die Tage, die folgten. Den Besuch bei deinen Eltern. Den Blick in die Gesichter von Freunden, Familie, Kommilitonen. Die Beerdigung, diesen unsäglichen Moment am offenen Grab. Die namenlose Trauer deiner Eltern, die Blumen, die Zeit „danach“.

Dein Tod hat mich tief getroffen. Dabei waren wir „nur“ Freunde. Seltsamer Weise, trotz des großen Altersunterschieds. Aber ich kannte dich schon so lange, weißt du?  Als kleines Kind. Als Tochter von Freunden. Als junges Mädchen. Als junge Frau, auf dem Weg in das eigene Leben.

Du warst eine Ausnahme. Stachst aus der Gruppe heraus. Aus manchen Gründen. Du hattest viele Ideen. Einen Glauben, eine Vorstellung. Ich war froh, dass wir Kontakt hielten, als du gingst. Ich frage mich oft, wo du heute wohl ständest. Wo dein Weg wäre. Dann vermisse ich dich sehr. Seltsam, nicht war wahr?

Ich weiß nicht genau, wo du jetzt bist. Aber ich weiß, dass du bist. Du selber hattest – trotz deines Alters – eine recht genaue Vorstellung davon. Ich weiß wohl. Darum beneide ich dich. Ich denke, dass es an deinem Ort schön ist und warm. Es dir gut geht. Du Frieden hast. Der Platz an einem blauen  Meer liegt. Mit einem weißen Sandstrand unter einem weiten Himmel. Ohne Meer, nein, das ginge nicht an für deinen Ort. Ohne einen Himmel voller Sterne auch nicht. Der Trost eines inzwischen recht alten Mannes. Mein Trost. Kein Wissen. Leider. Das würde vieles einfacher machen.

„Und, bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand …“ Du erinnerst dich? Norwegen? Der Platz und die Gruppe? So sei es nun. Nicht gewollt, aber passiert.

Pass gut auf dich auf, Kleines, wo auch immer du sein magst. Wir halten dich in unserem Herzen. Und wir sehen uns wieder, eines vielleicht gar nicht so fernen Tages. Keine Frage.

Was ist schon Zeit …