„Never forget“ …

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Es ist 30 Jahre her. Am 1. April 1990 lief die „Scandinavian Star“, eine 142 Meter lange Fähre, von Oslo in Norwegen aus und machte sich mit knapp 480 Menschen an Bord, ein Großteil davon Passagiere, auf den Weg nach Fredrikshavn in Dänemark.

Gegen zwei Uhr in der Nacht gab es an Bord Feueralarm, eine halbe Stunde später funkte das Schiff auf den internationalen Seenotkanälen „Mayday“. Als die zur Hilfe eilende schwedisch Fähre „Stena Saga“ eine Viertelstunde nach dem Notruf am Havaristen eintraf, brannte dort der gesamte Heckbereich bereits lichterloh. An Bord des Havaristen herrschte das Chaos – grosse Teile der Besatzung sprachen keine skandinavische Sprache, ja, nicht einmal Englisch. Eine Verständigung mit den panischen Passagieren fiel damit praktisch aus. Und, viel schlimmer, Teile eben dieser Besatzung waren an der Brandstiftung an Bord – und um diese handelte es sich – ganz offensichtlich beteiligt.

Die „Stena Saga“ barg von dem brennen Schiff an Menschen ab, was sie konnte. Die eintreffende schwedische Feuerwehr begann um 05.00 Uhr an Bord der „Scandinavian Star“ zu Löschen. Was sie bei ihrem Vordringen an Bord vorfanden, beschrieb ein Löschtruppmitarbeiter später als „den Vorhof zur Hölle“. In den Gängen, den Kabinen, in den Betten und den Treppenaufgängen, überall Tote. Männer, Frauen, Kinder, die meisten nicht verbrannt, sondern in Sekunden an den beim Feuer freigesetzten, giftigen Dämfen erstickt. 159 Tote sollten es am Ende sein.

Das noch immer brennende Schiff wurde „auf den Haken genommen“ und nach Lysekil an der schwedischen Küste geschleppt. Dort bekam man das Feuer unter Kontrolle, 38 Stunden nach seinem Ausbruch. Die kriminaltechnische Untersuchung ergab später wenigstens vier räumlich und zeitlich unabhängig voneinander angelegte Brandherde, den letzten erst kurz vor dem Einlaufen in den Nothafen. Feuertüren an Bord waren blockiert, die Lüftungsanlage ließ sich nicht abschalten, brennbares Material war auf die Gänge geworfen worden. Ermittlungen ergaben, dass das Schiff mit 24 Millionen etwa doppelt so hoch versichert war, wie sein Neupreis einmal gewesen war. Die Besitzverhältnisse erwiesen sich als ein einziges juristisches Wirrwar, ein Schuldiger wurde letztlich nicht zur Verantwortung gezogen. Trotzdem gilt der Vorfall in mehreren skandinavischen Ländern als größter je vorgekommener „Mordbrand“ insgesamt und bewegte das norwegische Parlament 2013 dazu, die Verjährungsfrist für solche Verbrechen aufzuheben.

Gestern nun wurde in Fredrikshavn ein Gedenkstein für jene 159 Toten enthüllt. Nach 30 Jahren. Nein, er macht die Toten nicht wieder lebendig. Aber er ist ein Zeichen des Gedenkens, der Erinnerung. Ein Ort, an den Blumen, Gedanken und Trauer gebracht werden können. Und nicht irgendwo in einer stillen Ecke, nein, mitten drin im quirligen Hafenleben, direkt an der Pier, dort, wo auch heute noch die Fähren ablegen und Fracht umgeschlagen wird und die Menschen geschäftig unterwegs sind. Ein guter Ort, finde ich!

In leichter Abwandlung: „Soviel Tod, vom Leben umgeben!“

Der neue Gedenkstein in Fredrikshavn …